Ein Trauerjahr, dann der Wimpel: wie die Alpini-Gruppe von Salce entstand

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Die Gruppe entstand 1963, doch ihr Fest musste mehr als ein Jahr warten. Die ersten Seiten des Col Maòr erzählen, warum – und wie dieser verregnete Sonntag verlief.

Regenschirme um zehn Uhr

Der Himmel, so wird es das Blatt später festhalten, hatte „genau um 10 Uhr seine Schleusen geöffnet“. Der Festzug der Alpini bewegt sich unter aufgespannten Schirmen durch die Straßen von Salce, und die Musikkapelle denkt nicht ans Aufhören: Sie zieht weiter „bis zum Appalto, gefolgt von einer Schar jubelnder Kinder“. Es ist Oktober 1964, und die Alpini-Gruppe von Salce feiert ihre eigene Gründung mit mehr als einem Jahr Verspätung.

Denn die Gruppe gab es längst. Als im April die erste Ausgabe des Col Maòr erschienen war, geschrieben und betreut von Mario Dell’Eva, hatte die Alpini-Gruppe von Salce schon ihre Ämter verteilt: Giovanni Dal Pont als Gruppenobmann, Dell’Eva selbst als Schriftführer und Kassier, Luigi Capraro und Narciso Colbertaldo als Rechnungsprüfer. Man traf sich in Narcisos Bar. 54 Mitglieder waren es, und man wollte auf „etwa achtzig“ kommen.

In seinem Gruß dankte Dal Pont „dem Alpino Mario Dell’Eva, der begonnen und uns sehr geschickt zu diesem Zusammenschluss geführt hat“. Dieselbe Ausgabe enthielt auch ein Versprechen: Den Wimpel (Gagliardetto) werde der „Sohn und Mitglied unserer Gruppe, Oberstleutnant Giuseppe Zaglio“ stiften – der Sohn des Generals, dessen Namen die Gruppe trägt (seine Geschichte). Es fehlte nur noch das Fest. Und darauf musste man warten.

Der Festzug der Alpini mit aufgespannten Regenschirmen in den Straßen von Salce am Tag der Einweihung der Gruppe, 1964
Salce, 1964: der Festzug der Einweihung im Regen. Archiv der Alpini-Gruppe von Salce.

Der Vajont und ein Trauerjahr

Den Grund nennt die Augustausgabe: „Da der Vorstand der Sektion Belluno beschlossen hat, zum Gedenken an die Opfer der Vajont-Katastrophe ein Trauerjahr einzuhalten“, könne das Fest der Gruppe „erst nach dem kommenden 10. Oktober stattfinden“. Am 9. Oktober 1963 hatte der Bergsturz vom Monte Toc Longarone und die umliegenden Dörfer ausgelöscht. Ein ganzes Jahr lang verzichteten die Alpini aus Belluno auf jedes Fest.

Untätig blieb man in Salce trotzdem nicht. An der Bar „Da Narciso“ hing bald ein neues Schild, für den Wimpel fand sich ein kleiner Schrank, und die Gruppe setzte sich für den Kindergarten des Dorfes ein.

Die jungen Alpini in Longarone

Im Oktober kam der Col Maòr auf jene Stunden zurück, in einem Artikel, den Dell’Eva mit „Dem“ zeichnete. Er erzählt die Nacht in Bruchstücken: die Nachricht, die eintrifft, das verschwundene Longarone, die jungen Wehrpflichtigen bei der Arbeit in den Trümmern. Zwei junge Männer aus dem Dorf erscheinen nur mit ihren Initialen, „G.T., unser Dorfgenosse“ und „der ‚Bocia‘ V.F.“, und ihnen gehört der letzte Satz: „Unser bewegtes Herz beförderte sie im Feld zu ‚Veci‘“.

„Es wird kein Dorffest“

In derselben Oktoberausgabe konnte der Obmann das Fest endlich ankündigen: „Seit etwa einem Jahr erwarteten wir diesen Tag, denn die unvergessene Vajont-Katastrophe hatte uns ein Jahr symbolischer Trauer auferlegt.“ Und er stellte gleich klar: Es werde keine „Sagra“, kein „Faschingsrummel“. Am 30. September zählte die Gruppe bereits 58 Mitglieder. Das gedruckte Programm war auf die Minute geplant und endete mit einem Umtrunk im Stehen und einem Kasernenkommando:

  • 9.30 Uhr: Treffpunkt auf dem Kirchplatz von Col di Salce;
  • 9.45 Uhr: Segnung des Wimpels vor dem Kriegerdenkmal;
  • 10.00 Uhr: Heilige Messe in der Pfarrkirche;
  • 10.45 Uhr: Kranz am Kriegerdenkmal;
  • 11.00 Uhr: Ansprache;
  • 11.30 Uhr: Umtrunk bei Narciso, „im Stehen wie die Pferde“ (im Dialekt «in pié come i cavai»);
  • 12.00 Uhr: „Weggetreten!“.
Alpini und ein Priester vor der Fahne der ANA-Sektion Belluno bei der Einweihung der Gruppe von Salce, 1964
Ein Moment der Feier von 1964 vor der Fahne der Sektion Belluno. Archiv der Alpini-Gruppe von Salce.

Ein Sonntag im Regen

Im November konnte das Blatt melden: „Die offizielle Einweihung der Gruppe ist vollbracht.“ Dass der Regen pünktlich um zehn kam, wissen wir schon. Das Übrige ergänzen spätere Aufzeichnungen. Das Buch zum 60-Jahr-Jubiläum nennt den ersten Fahnenträger, Primo Da Rold, und die Fahne der Sektion Belluno; dazu eine Messe in der Pfarrkirche, „voll von Menschen und Militärbehörden“. Die Gruppe dankte der Kapelle des „Settimo“ (7. Alpini-Regiment) und ihrem Leiter, Maresciallo Dal Fabbro. Beim Mittagessen gab es Blumen für die Patin. Die Rechnung für den Tag: 40.000 Lire.

Vierzig Jahre später, 2004, konnte der Col Maòr darüber scherzen, mit einem berühmt gewordenen Satz: „Nasse Gruppe, glückliche Gruppe! … Aber nicht nass – durchweicht!!!“ Auf einem Foto von damals segnet der Pfarrer Don Gioacchino Belli den Wimpel; Patin ist Frau Eugenia Zaglio, die Tochter des Generals.

Die Alpini-Musikkapelle marschiert beim Einweihungsfest der Gruppe durch Salce, 1964
Die Musikkapelle zieht am Festtag durch Salce. Archiv der Alpini-Gruppe von Salce.

Wenn die Quellen nicht übereinstimmen

Legt man die Dokumente nebeneinander, treten einige Unterschiede zutage. Wir halten sie fest, ohne willkürlich einen zu wählen.

  • Das Datum. Der 25. Oktober 1964 steht im Buch zum 60-Jahr-Jubiläum. Die Ausgaben von 1964 bestätigen nur, dass das Fest nach dem 10. Oktober und vor November stattfand.
  • Die Kapelle. Der Col Maòr vom November 1964 und der von 2004 sprechen von der Kapelle des „Settimo“, das Jubiläumsbuch von der Kapelle der Brigade „Cadore“. Wir folgen der zeitgenössischen Quelle und weisen auf den Unterschied hin.
  • Die Gründung. Der Col Maòr von 2004 schreibt, die Gruppe sei „am 19. März 1963 mit etwa fünfzig Mitgliedern gegründet“ worden. Der Bericht an die Versammlung vom Jänner 1965 nennt die „Gründung der Gruppe“ jedoch unter den Etappen des Jahres 1964. Möglicherweise meinen die beiden Daten verschiedene Momente – die Entstehung und die förmliche Gründungsversammlung –, doch das ist vorerst eine Hypothese, die an den Protokollen zu prüfen ist.

Auch deshalb werden die Jubiläen der Gruppe ab 1964 gezählt: das 40. im Jahr 2004, das 50. im Jahr 2014, das 60. im Jahr 2024.

Beim Mittagessen zur Einweihung 1964 überreicht ein Alpino einer am Tisch sitzenden Dame einen Blumenstrauß
Beim Festessen: die Blumen für die Patin. Archiv der Alpini-Gruppe von Salce.

Nach dem Fest

Ende Dezember zählte die Gruppe 66 Mitglieder und dazu zehn Ehrenmitglieder: neun Gefallene und die Patin des Wimpels. Unter den Plänen für 1965 stand schon ein großes Vorhaben, das Kriegerdenkmal von Salce, das 1967 eingeweiht werden sollte (seine Geschichte, auf Italienisch). Und zehn Jahre nach jenem durchnässten Sonntag wurde das Jubiläumsfest auf dem Col Maòr gefeiert (die Geschichte lesen).

Helfen Sie uns, uns zu erinnern

  • Wer erkennt die Personen auf den Fotos der Einweihung?
  • Bewahrt jemand das Gründungsprotokoll der Gruppe oder das gedruckte Festprogramm auf?
  • Wer waren „G.T.“ und der „Bocia“ V.F., die beiden jungen Männer aus Salce, an die in Longarone erinnert wird?

Schreiben Sie uns über die Seite Kontakt: Jeder Beitrag wird geprüft und, wenn er sich bestätigt, in MEMORIA aufgenommen.

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