Gebet des Maultiers

DAS GEBET DES MAULTIERS erscheint in L’ALPINO vom 31. März 1948.

„An Dich, mein guter Treiber, richte ich dieses Gebet.

Gib mir immer zu fressen und zu trinken, und wenn meine Arbeit getan ist, verschaffe mir eine bequeme Ruhe; kannst Du mir keine trockene und saubere Streu in einem weiten und luftigen Stand geben, so sorge wenigstens dafür, dass ich auf ebenem Boden ruhen kann, ohne Morast, im Schutz vor den Winden in der kalten Jahreszeit und im Schatten während des Sommers.

Wenn ich das Futter verweigere, schau mir ins Maul: Vielleicht hindert mich ein Leiden am Zahnfleisch oder an der Zunge am Fressen; melde das stets Deinen Vorgesetzten.

Da ich Dir nicht sagen kann, wann ich Durst habe, lass mich oft frisches und sauberes Wasser trinken, auch während der Arbeit; lass mir die Zeit, meine ganze Ration Heu und Hafer zu fressen.

Sprich mit mir: Deine Stimme wirkt mitunter besser als Peitsche und Zügel; streichle mich oft, damit ich lerne, Dich zu lieben und Dir besser zu dienen.

Untersuche jeden Tag meine Hufe, überzeuge Dich, dass die Eisen gut sitzen, pflege mich mit Sanftmut, tu mir mit dem Striegel nicht weh, nimm lieber den feuchten Schwamm.

Schneide mir nicht den Schweif ab und nimm mir damit meine beste Abwehr gegen die Fliegen und Bremsen, die mich quälen.

Reiß nicht an den Zügeln, und peitsche mich in den Steigungen nicht!

Tritt mich nicht, schlag mich nicht, wenn ich nicht verstehe, was Du willst, sondern sorge dafür, dass ich Dich verstehen kann.

Wenn ich mich weigere, überzeuge Dich, dass Gebiss oder Saumsattel nicht verrutscht sind und dass mir nichts in den Hufen wehtut. Wenn ich scheue, schlag mich nicht, sondern bedenke, dass es an etwas liegen kann, das mich am Sehen hindert, oder an einem Fehler meiner Augen.

Zwinge mich nicht, eine Last über meine Kräfte zu tragen, und achte darauf, dass die Ladung gut ausgewogen ist. Wenn ich stürze, habe Geduld und hilf mir; und wenn ich stolpere, bedenke, dass es nicht meine Schuld ist, bedenke den unwegsamen Boden, über den Du mich führst, und gib mir keine Peitschenhiebe, die mich ängstlich und nervös machen.

Wenn Du ein wenig Herz hast, häng Dich in den Steigungen nicht an meinen Schweif; bedenke, dass ich schon eine Last zu tragen habe und dass Du meine Mühe sehr vergrößerst, wenn Du Dich auch noch ziehen lässt; bedenke, welchen Schmerz Du mir zufügst, wenn Du so lange an meinem armen Schweif ziehst!

Versuche, mich vor der Sonne zu schützen. Leg mir in den Rasten, wenn es kalt ist oder ich verschwitzt bin, eine Decke auf; denk aber daran, sie abzunehmen, wenn ich arbeite.

Hab mich lieb, mein guter Treiber; pflege mich, denn im Krieg werde ich Dir sehr nützlich sein.

Ich werde Dir der kostbare Freund sein.“

 

Mandaci una Email
Whatsapp