Strigno — eine österreichische Kaserne, die zur Alpini-Kaserne wurde
Die Kaserne von Strigno im Valsugana wurde von Österreich-Ungarn gebaut, um eines der Tore nach Italien zu bewachen. Später war sie Spitzenfabrik, Sommerkolonie für Kinder aus Triest und Heim von Gebirgsartilleristen und Alpini aus Belluno. Im Frühjahr 2025 war sie ein Trümmerhaufen.
Über dem Dorf
Castel Ivano ist die 2016 aus Strigno, Spera, Villa Agnedo und Ivano Fracena entstandene Gemeinde; das Rathaus steht in Strigno, dem größten Ortsteil. Schon im 19. Jahrhundert war der Ort wegen seines milden Klimas Sommerfrische des österreichischen Bürgertums.
Die Kaserne lag im oberen Teil des Ortes zwischen den Bächen Ensegua und Cinoga, an der Landesstraße vom Valsugana hinauf zum Tesino-Hochplateau. Es gab einen großen viergeschossigen Hauptbau, den „casermone“, mit dem Exerzierplatz davor, und zwei kleinere Gebäude im Norden. An ihrer Stelle steht heute das Gerätehaus der Freiwilligen Feuerwehr.
Eine Grenzkaserne
Sie wurde 1914 vom österreichisch-ungarischen Kriegsministerium erbaut, um den Canal del Brenta zu sichern, einen der Wege, die Italien im Kriegsfall nutzen konnte; die Grenze lag bei Martincelli, rund zwanzig Kilometer talabwärts. Drei Kompanien und die Maschinengewehrabteilung des 2. Bataillons der Trentiner Landesschützen zogen ein.
Bei Kriegsbeginn zogen sich die Österreicher an die Seen von Levico und Caldonazzo zurück, und die noch unfertige Kaserne wurde von den Italienern besetzt. Im Mai 1916, während der Strafexpedition, wurde sie beschossen und kurz von den kaiserlichen Truppen zurückerobert; in der Nacht zum 25. Mai wurde sie erneut besetzt, auch dank zweier Kompanien des Alpini-Bataillons „Feltre“. Danach war sie Kommando der Truppen, die im „Traum von Carzano“ die feindlichen Linien durchbrechen sollten. Nach Caporetto fiel sie bis Kriegsende wieder an Österreich.
Spitzen, Kinder, Soldaten
Nach dem Krieg, beschädigt und geplündert, nahm sie Trentiner auf, die heimkehrten und kein Haus mehr hatten. Von 1922 bis 1928 arbeiteten hier bis zu 250 Frauen für zwei Turiner Spitzenhersteller. Ende 1936 verkaufte die Gemeinde sie an das Kriegsministerium; erweitert und aufgestockt, nahm sie 1937 das Depot der Gebirgsartilleriegruppe „Lanzo“ und dann das 551. MG-Bataillon auf.
Nach dem 8. September 1943 wurde sie verlassen, sogar der Fenster beraubt, und von deutschen Einheiten und der Turkestanischen Legion besetzt. 1945 zogen Amerikaner, Briten und Inder durch; von 1948 bis 1952 war sie Sommerkolonie der Lega Nazionale aus Triest für bis zu 400 Kinder.
Artilleristen und Alpini aus Belluno
Mit der Alpini-Brigade „Cadore“ kamen die Alpini zurück: Ab April 1957 lag hier die ganze Gebirgsartilleriegruppe „Pieve di Cadore“, 1953 in Belluno im 6. Gebirgsartillerieregiment aufgestellt, mit der 37., 38. und 50. Batterie. Wegen hygienischer Mängel zog die Gruppe 1963 in die Kaserne „Monte Grappa“ in Bassano.
Im November 1963 wurde die 78. Kompanie des Alpini-Bataillons „Belluno“ in 65. umbenannt, dem „Feltre“ unterstellt und nach Strigno verlegt. Mitte der 1970er Jahre folgte die 65. ihrem Bataillon in die „Zannettelli“ nach Feltre, und die Kaserne wurde Ausbildungsbasis der „Cadore“, wie die „Gioppi“ in Arabba oder die „XXII Marzo 1848“ in Agordo. In den 1990er Jahren nahm sie Flüchtlinge aus dem Balkan und aus Albanien auf; dann kam der langsame Verfall.
Wer war Giuseppe De Gol
Giuseppe De Gol wurde am 29. August 1882 in Strigno geboren. Er hatte bei den Kaiserjägern gedient und war dann nach Australien ausgewandert, wo er mit Diamanten handelte. Bei Kriegsbeginn ließ er Frau und Kinder zurück, kehrte nach Italien zurück und meldete sich freiwillig zum italienischen Heer, in die 56. Kompanie des Alpini-Bataillons „Verona“.
Am Abend des 14. November 1915 führte er bei Corna Calda fünfzehn Mann über die Postenlinie hinaus gegen einen feindlichen Vorposten. In die Brust getroffen, leitete er das Gefecht bis zum Ende und starb gleich darauf. Er erhielt die Goldene Tapferkeitsmedaille und wurde postum zum Leutnant befördert; er ruht in seinem Heimatort.
Die Quellen dieser Geschichte
Die Geschichte der Kaserne hat unser Vorstandsmitglied Oscar Colle in der Reihe „Le caserme degli Alpini“ des Col Maòr erzählt, Nr. 3/2025, S. 10-11. Das alte Foto oben wurde in derselben Ausgabe veröffentlicht.
Haben Sie in Strigno gedient, bei den Artilleristen des „Pieve di Cadore“ oder bei der 65.? Ihre Fotos und Erinnerungen können diese Seite ergänzen.