Agordo — die Kaserne, die ein Tal für seine Alpini wollte
Agordo wollte die Alpini fast sofort. Schon 1873, ein Jahr nach der Gründung des Korps, schrieben die Vertreter des Tals an das Kriegsministerium und baten um eine ständige Einheit. Es dauerte fast zehn Jahre, aber schließlich kam die Kaserne – benannt nach dem Tag, an dem sich das Agordino gegen Österreich erhob: dem 22. März 1848.
Ein langes Warten
Für den Generalstab war Agordo ein Grenzort: Die Grenze verlief damals kaum mehr als zwanzig Kilometer entfernt. Und doch war der Weg lang. Die 24. Alpini-Kompanie, 1874 aufgestellt und für den Sommer in Agordo vorgesehen, kam nie an. 1878 war die 36. an der Reihe, später in 34. umbenannt, doch auch sie wurde nach Belluno umgeleitet.
Am 30. April 1882 traf die 34. Kompanie endlich in Agordo ein und wurde in der alten Kaserne „dei Gesuiti“, heute „Jacopo Tasso“, untergebracht. Sie gehörte zum X. Bataillon in Conegliano, zusammen mit der 33. in Feltre, der 35. in Pieve di Cadore und der 36. in Tolmezzo.
Vom „Cadore“ zum „Feltre“
Mit dem Königlichen Dekret vom 5. Oktober 1882 entstanden die ersten Alpini-Regimenter, und die Bataillone erhielten den Namen ihres Rekrutierungsgebiets. In Agordo blieben zwei Kompanien, die 65. und die 66., im Alpini-Bataillon „Cadore“ des 6. Regiments. 1886 wechselten die beiden Kompanien aus Agordo zum neuen Alpini-Bataillon „Feltre“ mit weißer Troddel und 1887 zum gerade aufgestellten 7. Regiment.
Das Gebäude im Osten wurde eigens für die zweite Kompanie errichtet, die sonst nach Feltre verlegt worden wäre.
Die Kaserne
Die Anlage bestand aus mehreren Gebäuden entlang der Umfassungsmauer rund um einen großen Exerzierplatz. Der im September 1881 fertiggestellte Hauptbau hat drei Geschosse und einen C-förmigen Grundriss; hier lagen Schreibstube, Wache und Schlafsäle. Zur Straße hin zeigt er hohe, schmale Fenster, auf allen Geschossen in einer Achse, und in der Mitte das große Bogentor. Zum Exerzierplatz öffnet sich ein schöner Laubengang mit drei Rundbögen in der Mitte und je zwei flacheren Bögen an den Seiten.
Die übrigen Gebäude kamen später hinzu: das Offizierskasino im Osten 1902, das Magazin und spätere Stallgebäude im Süden nach 1908, der Bau im Norden noch später. Seit November 2003 steht der Hauptbau als Kulturgut unter Denkmalschutz.
Die „Wölfe von Agordo“
Nach dem Zweiten Weltkrieg, um die Wende von den 1950er zu den 1960er Jahren, kehrte die 65. Kompanie des „Feltre“ für kurze Zeit an den Ort zurück, an dem sie mehr als siebzig Jahre zuvor entstanden war. Ab Anfang der 1960er Jahre beherbergte die Kaserne die 78. Kompanie des Alpini-Bataillons „Belluno“: die „Wölfe von Agordo“, in den letzten Jahren nur noch als Außenstelle.
Mit der Heeresreform von 1975 wurde das ganze Bataillon „Belluno“ in der Kaserne „Tommaso Salsa“ in Belluno zusammengezogen. Seitdem diente die Kaserne in Agordo der Alpini-Brigade „Cadore“ als Logistik- und Ausbildungsbasis: als Stützpunkt für Lager und Schießkurse, als Sitz des Meteomont-Personals, der Sportgruppe der Brigade und der Alpini, die sich auf die Skimeisterschaften der Alpentruppen vorbereiteten. 1995 wurde sie endgültig aufgegeben.
Warum „22. März 1848“
Kein Dokument erklärt die Wahl des Namens. Die Antwort steht auf der Gedenktafel in der Eingangshalle: Am 22. März 1848 erhob sich das Agordino gegen die österreichischen Behörden und das Heer, im Jahr der Aufstände, die Italien und ganz Europa erfassten. Am 6. April schlossen sich Agordo und Cencenighe der Republik San Marco an, am 11. April wurde in Agordo ein Freiheitsbaum gepflanzt. Für diese Tage erhielt Agordo mit Königlichem Dekret vom 4. August 1906 die Medaille der um das Risorgimento verdienten Städte.
Die Kaserne heute
Das Gelände hat sich verändert. Der Hauptbau wurde restauriert und in Wohnungen umgewandelt. Im Osten entstand auf dem Grund einiger Nebengebäude und der ehemaligen Werkstätten Parissenti ein Supermarkt, und der Exerzierplatz ist heute sein Parkplatz. Im Hauptbau soll ein eigener Raum für die „Wölfe von Agordo“ entstehen, mit Fotografien und Erinnerungsstücken der 78. Kompanie, der letzten Einheit, die hier stationiert war.
„Die Wölfe von Agordo.“
Die Quellen dieser Geschichte
Die Geschichte der Kaserne hat unser Vorstandsmitglied Oscar Colle in der Reihe „Le caserme degli Alpini“ des Col Maòr erzählt, in zwei Folgen: Nr. 1/2025, S. 10-11, und Nr. 2/2025, S. 10-11. Für die Zeit bis in die 1920er Jahre verweist der Autor auf das Buch von Gino Sorio und Antonio Zanetti, „Notizie storiche sulla caserma ‚22 marzo 1848‘ di Agordo“, 1994 von der Gemeinde Agordo mit der Comunità Montana Agordina herausgegeben. Das Foto oben, die Kaserne heute, wurde in Nr. 2/2025 veröffentlicht.
Haben Sie Ihren Wehrdienst in Agordo geleistet, bei den „Wölfen“ der 78.? Ihre Fotos und Erinnerungen können diese Seite ergänzen.