📚 AUS UNSEREM ARCHIV
Manche Menschen gehen durch eine außergewöhnliche Tat in die Geschichte ein. Andere auf eine Weise, die vielleicht noch echter ist: indem sie da sind, Jahr für Jahr.
Am 28. Oktober 2007 rücken die Alpini-Freunde mit einer Torte an: Ernesto Barattin wird achtzig. Der Col Maòr druckt das Foto mit einer liebevollen Bildunterschrift, „Opa“ Ernesto schneidet die Torte an, und ausnahmsweise steht sein Name mitten auf der Seite.
Sonst ist das selten so. Wer in den alten Ausgaben des Col Maòr blättert, begegnet Ernestos Namen immer wieder, aber fast immer am Rand: in einer Familiennachricht, in einer Liste von Freiwilligen, unter denen, die das Blatt unterstützten. Aus diesen verstreuten Zeilen, nebeneinandergelegt, versucht MEMORIA den Mann zusammenzusetzen, den viele einfach „Nòno Ernesto“ (Opa Ernesto) nannten.
Ernesto und die Alpini-Gruppe von Salce
In den Seiten des Blatts wirkt die Verbindung zwischen Ernesto und den Alpini von Salce nicht wie ein Mitgliedsausweis in der Brieftasche. Sie gleicht eher einer großen Familie, die merkt, wenn es einem der Ihren schlecht geht.

1987 verliert Ernesto seine Mutter, und der Col Maòr spricht ihm sein Beileid aus, auch im Namen der Mitglieder der Gruppe Salce. 1990 sind es zwei kurze Meldungen: zuerst der Spitalsaufenthalt und die Operation, dann die Genesung. Beide Male übermittelt das Blatt die Wünsche des Vorstands und der Mitglieder. Nur wenige Zeilen, von der Art, die man schnell überliest; heute wieder gelesen, zeigen sie, was es hieß, zu einer Alpini-Gruppe im Dorf zu gehören.
Ernesto und Lidia: vierzig Jahre gemeinsam
1994 hält die Familie Einzug in den Col Maòr. Ernesto und seine Frau Lidia feiern Rubinhochzeit, vierzig Ehejahre, an ihrer Seite die drei Kinder und ein kleiner Enkel. Der Vorstand und das Blatt feiern mit ihren Glückwünschen mit.

Eine winzige Nachricht, doch durch sie ist Ernesto nicht mehr nur ein Name in den Listen der Gruppe, sondern auch Ehemann, Vater und Großvater. Vielleicht kommt auch daher der Spitzname, unter dem ihn so viele in Erinnerung haben.

Wenn es Arbeit gab, war Ernesto da
1997 berichtet der Col Maòr von einem Einsatz, den die Alpini freiwillig geleistet hatten, und nennt genaue Zahlen: sieben Mitglieder, insgesamt 175 Stunden unentgeltlicher Arbeit. Einer der sieben ist Ernesto Barattin. Das Blatt beschreibt sie als wenige Männer, aber tüchtig und willig, zufrieden, etwas „für unsere Leute“ und für das Ansehen der Gruppe getan zu haben. Dieser Name, in einer Liste von sieben, genügt, um ihn sich mit dem Werkzeug in der Hand vorzustellen.

Auch im Col Maòr steht sein Name
Sein Name steht auch in den Listen derer, die den Col Maòr unterstützten. Das Blatt, das zusammen mit der Gruppe entstanden ist, hat Jahrzehnte des Lebens in Salce auch dank Lesern wie ihm überdauert, die es mittrugen, weil sie diese Seiten als ihre eigenen empfanden. Heute ist es gerade der Col Maòr, der uns Ernesto zurückgibt: Das Blatt, das er am Leben halten half, hat die Spuren seines Lebens bewahrt.
2007: ein Dank, der bleibt
Einen Monat nach der Geburtstagstorte, am 25. November 2007, hält die Gruppe ihre Jahreshauptversammlung ab, die dreiundvierzigste. Der Tag beginnt mit dem Hissen der Fahne, der Messe mit Pfarrer Don Tarcisio Piccolin und der Ehrung der Gefallenen; danach treffen sich die Alpini im Sitz der Gruppe. Obmann Ezio Caldart trägt seinen Bericht vor und überreicht dann, vor allen Anwesenden, dem Vorstandsmitglied Ernesto Barattin eine Urkunde und eine Goldmedaille.

Das Foto zeigt ihn mit Urkunde und Medaille, zwischen dem Vizebürgermeister und dem Provinzassessor, vor seiner Gruppe. Was der Col Maòr Jahr für Jahr in Bruchstücken erzählt hatte, ist auf diesem Bild auf einmal zu sehen.
Die Spuren, die bleiben
Der Col Maòr hat ihn bis zuletzt begleitet. In der Ausgabe Nr. 4 von 2016 meldet er seinen Tod, „wenige Tage vor seinem 89. Geburtstag“.
Die Dokumente geben uns nur Bruchstücke aus dem Leben von Ernesto Barattin. Doch so arbeitet MEMORIA: Ein Name in einer alten Bildunterschrift führt zu einer weiteren Seite, die Seite zu einem Foto, das Foto zu einer Erinnerung; und die Erinnerung manchmal zur Stimme von jemandem, der ihn wirklich gekannt hat.
Helfen Sie uns, von Nòno Ernesto zu erzählen
Wenn Sie Ernesto Barattin gekannt haben, wenn Sie sich an seinen Militärdienst erinnern, an die Einheit, in der er diente, an seine Arbeit, an die Jahre in der Alpini-Gruppe von Salce, an eine Begebenheit, einen Satz, ein Foto oder einfach daran, warum ihn alle „Nòno Ernesto“ nannten, erzählen Sie es uns.
Und wenn irgendwo in einer Schublade ein Foto von ihm liegt: Es muss nicht bloß ein Familienbild sein, es könnte das nächste Stück dieser Geschichte werden. Vielleicht sogar eines von jenem Oktobertag 2007, mit der Torte und den Alpini-Freunden rundherum.


