Ernesto Barattin, „Nòno Ernesto“ (1927–2016)

Memoria · Personen

Der Älteste der Gruppe, der „vecio muratore“ vom Brunnen in Giamosa, der Großvater von allen

Im November 2014, mit siebenundachtzig Jahren, beschloss Ernesto Barattin, „den Rucksack abzulegen“. So sagte er es bei der Versammlung der Gruppe, „aus Altersgründen“. Ganz gehen ließ ihn der Vorstand nicht: Er ernannte ihn zum Ehrenvorstandsmitglied. Und der Col Maòr fügte, als er von dem Abend berichtete, den Satz hinzu, den in Salce jeder unterschrieben hätte: „Er wird nämlich immer unser lieber ‚Nòno Ernesto‘ bleiben!“

Dieser Spitzname war kein Ehrentitel. Er hatte ihn sich verdient, in dreißig Jahren des Dabeiseins, der Arbeit mit den eigenen Händen, der Feste, bei denen sich die Gruppe ein wenig wie seine Familie anfühlte.

Ein Name, der wiederkehrt

Ernesto war am 28. Oktober 1927 geboren. Im Col Maòr taucht er zum ersten Mal 1987 auf, mit dem Beileid zum Tod seiner Mutter; dann 1990, als die Zeitung seinen Spitalsaufenthalt und seine Genesung verfolgt. Es sind die Nachrichten, die ein kleines Dorfblatt über seine Freunde bringt. Doch ab Dezember 1993, als ihn die Versammlung für die folgenden drei Jahre in den Vorstand wählt, steht sein Name auch unter jenen, die die Gruppe voranbringen. Wiedergewählt wird er 1999 und noch einmal 2011, als er schon über achtzig war und Cesare Colbertaldo Obmann wurde.

Die „veci muratori“

Mehr als die Ämter zählen aber die Arbeiten. 1997 ist Ernesto eines der sieben Mitglieder, die den alten Brunnen von Giamosa restaurieren: hundertfünfundsiebzig Stunden unbezahlter Arbeit, aufgeteilt zwischen ihm, Caldart, Donadel, D’Incà, Girardi und den Tormen. Im Juni 2003, bei der Zivilschutzübung des Triveneto „Pasubio 2003“, nennt ihn der Col Maòr zusammen mit Mario De Luca einen der „veci muratori“, der alten Maurer der Gruppe. Mit ihnen waren an jenem Tag auch Toni Fratta, Cesare Colbertaldo und Giuseppe Savaris dabei.

2005 wechselt die Szene, der Geist bleibt derselbe. Mit Obmann Ezio Caldart und mit Cesare Colbertaldo geht er in die Volksschule von Giamosa, zur Aktion „Un libro per la Bosnia“, ein Buch für Bosnien. Im selben Jahr marschiert er bei der Nationalen Adunata in Parma neben Toni Fratta und Bepi Savaris.

Ernesto Barattin mit Cesare Colbertaldo und Ezio Caldart in der Volksschule von Giamosa, 2005
Volksschule Giamosa, 2005: „Un libro per la Bosnia“, mit Ezio Caldart und Cesare Colbertaldo. (Col Maòr Nr. 2/2005)

Achtzig

Am 28. Oktober 2007 stehen die Alpini-Freunde mit einer Torte vor ihm. Ernesto feiert „seine ersten 80 Jahre“, schreibt der Col Maòr, und auf dem Foto schneidet er sie selbst an, umringt von den Freunden. Einen Monat später, bei der Jahresversammlung am 25. November, überreicht ihm die Gruppe eine Urkunde mit Goldmedaille „für die Hingabe und die intensive, leidenschaftliche Tätigkeit zugunsten der Gruppe“. Neben ihm stehen auf dem Bild Vizebürgermeister Franco Gidoni und Provinzassessor Quinto Piol; in jenem Jahr nennt ihn die Zeitung „Consigliere anziano“, das älteste Vorstandsmitglied.

Ernesto Barattin schneidet mit den Alpini-Freunden die Torte zu seinem achtzigsten Geburtstag an, 2007
„‚Nonno‘ Ernesto schneidet die Torte an, mit der die Alpini-Freunde seine ersten 80 Jahre feiern wollten“, 28. Oktober 2007. (Col Maòr Nr. 4/2007)
Ernesto Barattin mit Urkunde und Goldmedaille zwischen Vizebürgermeister Franco Gidoni und Provinzassessor Quinto Piol, 25. November 2007
25. November 2007: mit Urkunde und Goldmedaille, zwischen Vizebürgermeister Franco Gidoni und Provinzassessor Quinto Piol. (Col Maòr Nr. 4/2007)

2008 zieht er das Lamm auf, das bei der Verlosung der Hauptpreis ist, und im Jahr darauf, beim Abendessen für den Zivilschutz, ist der Hauptpreis wieder „das Lamm von ‚Nonno‘ Ernesto“. 2012 zeichnet er als Ältester den „Gran Maestro del Brùf“ aus. Es sind kleine Dinge, und der Col Maòr hält sie mit jener Zuneigung fest, die man Großvätern entgegenbringt.

Ernesto und Lidia

An seiner Seite ist immer Lidia. Geheiratet hatten die beiden 1954, und die Zeitung der Gruppe hat ihre Ehe begleitet, wie man die von nahen Verwandten begleitet: die Rubinhochzeit 1994, als sie drei Kinder und einen kleinen Enkel hatten; die Goldene Hochzeit im November 2004, mit einem Blumengruß bei der Versammlung zum vierzigjährigen Bestehen der Gruppe; die sechzig Ehejahre 2014, gefeiert beim Mitgliederessen, ausgerechnet in dem Jahr, in dem Ernesto den Vorstand verließ.

Ernesto und Lidia Barattin am Tag ihres sechzigsten Hochzeitstages, 2014
Ernesto und Lidia feiern beim Mitgliederessen 2014 ihre 60 Ehejahre. (Col Maòr Nr. 4/2014)

Der Abschied

Ernesto starb 2016, „wenige Tage vor seinem 89. Geburtstag“, wie der Col Maòr im Dezember schrieb, als er sich vom „legendären ‚Nono Ernesto‘“ verabschiedete. Der Nachruf, gezeichnet von Cesare, nannte ihn „wirklich einen Prototyp des Alpino“ und schloss mit einem Gedanken an Lidia und die Kinder.

Was von ihm bleibt, sind vor allem Fotos, auf denen er mitten unter den anderen steht: bei den Bänken einer Schule, beim Anschneiden einer Torte, bei einem Mitgliederessen mit seiner Frau. Und ein Brunnen in Giamosa, den 1997 sieben Alpini mit ihren eigenen Händen wieder instand setzten.

Die Daten

28. Oktober 1927Ernesto Barattin wird geboren: Am 28. Oktober 2007 feiert er „seine ersten 80 Jahre“ (Col Maòr Nr. 4/2007)
1954Heirat mit Lidia: Im November 2004 feiern sie fünfzig Ehejahre
Dezember 1993In den Vorstand der Gruppe für 1994-96 gewählt
1997Eines der sieben Mitglieder, die den Brunnen von Giamosa restaurieren: 175 Stunden freiwillige Arbeit
Dezember 1999Als Vorstandsmitglied wiedergewählt
15. Juni 2003Freiwilliger bei der Zivilschutzübung „Pasubio 2003“
2005„Un libro per la Bosnia“ in Giamosa; Nationale Adunata in Parma
25. November 2007Erhält bei der Jahresversammlung Urkunde und Goldmedaille
2011Erneut in den Vorstand gewählt, als Cesare Colbertaldo Obmann wird
2014Zum Ehrenvorstandsmitglied ernannt; feiert mit Lidia 60 Ehejahre
2016Stirbt wenige Tage vor seinem 89. Geburtstag

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Die Quellen dieser Geschichte

  • Col Maòr Nr. 2/1987; Nr. 2 und Nr. 3/1990; Nr. 6/1993; Nr. 6/1994; Nr. 5/1997 (Brunnen von Giamosa); Nr. 6/1999
  • Col Maòr Dezember 2003 (Pasubio 2003); Nr. 3/2004; Nr. 2/2005; Nr. 4/2007 (80. Geburtstag und Versammlung vom 25. November); Nr. 1/2008; Nr. 1/2009; Nr. 4/2011; Nr. 4/2012
  • Col Maòr Nr. 4/2014 und Jahresbericht zur Versammlung vom 29. November 2014
  • Col Maòr Nr. 4/2016, S. 13
  • Fotos: Archiv der Alpini-Gruppe Salce und des Col Maòr

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