Wie lässt sich die Geschichte der Associazione Nazionale Alpini bewahren und zugleich die Zukunft ihrer Tätigkeiten sichern? Unter den Alpini gibt es Menschen, die bei der Frage nicht stehen bleiben, sondern Antworten versuchen. Die ANA-Gruppe Verona Centro schlägt zwei Vereinigungen vor, verbunden durch einen Verband und eine gemeinsame Werte-Charta. Ein Beitrag zur Debatte, den man kennen und diskutieren sollte.
Manche Fragen betreffen jede Alpini-Gruppe ganz unmittelbar: Wer führt unsere Tätigkeiten weiter? Wer kümmert sich um die Vereinssitze, die Hütten und die Hilfsaktionen? Wie geben wir den jüngeren Generationen jenes Erbe an Verantwortung, Freundschaft und Dienst weiter, das wir selbst empfangen haben?
Auch aus diesen Fragen entsteht die Debatte über die Zukunft der Associazione Nazionale Alpini (ANA). Im Mittelpunkt steht das Verhältnis zwischen der Identität der ANA als Vereinigung ehemaliger Soldaten einer Waffengattung und der Teilhabe all jener, die die Werte der Alpini teilen, ohne in den Gebirgstruppen gedient zu haben.
In diesen Monaten stellen sich viele Alpini in den Gruppen und Sektionen ernsthafte Fragen und legen konkrete Ideen auf den Tisch. Das ist das Zeichen einer lebendigen Vereinigung. Eine dieser Ideen veröffentlichen wir hier: Sie stammt von der ANA-Gruppe Verona Centro und wird von den Beweggründen begleitet, die der vorstellende Text nennt. Es ist ein Beitrag zur Debatte: weder eine Entscheidung der ANA noch eine beschlossene Position der Alpini-Gruppe von Salce.
Zwei Vereinigungen, ein gemeinsames Haus der Werte
Das Projekt mit dem Titel „Futuro associativo“ (Zukunft der Vereinigung) sieht die Gründung einer Federazione Italiana Alpini vor, eines italienischen Alpini-Verbands, der zwei eigenständige Vereinigungen zusammenführt.

Auf der einen Seite bliebe die Associazione Nazionale Alpini bestehen und behielte ihren Charakter als Vereinigung ehemaliger Soldaten. Laut Schema wären Mitgliedschaft und Ämter jenen vorbehalten, die in den Gebirgstruppen gedient haben und erklären, sich in der Werte-Charta des Verbands wiederzufinden. Der Vorschlag sieht vor, Statut und Geschäftsordnung, das Emblem und den Alpinihut unverändert beizubehalten.
Auf der anderen Seite entstünde die ANVA — Associazione Nazionale Valori Alpini (Nationale Vereinigung für die Werte der Alpini), offen für alle, die die Gründungswerte der ANA teilen, ohne in den Gebirgstruppen gedient zu haben. Der Beitritt wäre mit der ausdrücklichen Verpflichtung verbunden, die Traditionen und Werte der Alpini zu achten und sich in derselben Werte-Charta wiederzufinden.
Für die neue Vereinigung nennt das Projekt ein Statut und eine Geschäftsordnung nach dem Vorbild der ANA, ein noch zu entwerfendes Emblem und die Norwegermütze als Kopfbedeckung.
Der Verband würde beide Vereinigungen gegenüber zivilen und militärischen Behörden sowie anderen Verbänden vertreten. Das Schema schlägt eine Doppelspitze vor: zwei Vertreter, von den jeweiligen Vereinigungen gewählt und gleichberechtigt.
Das Ziel: die Vereinigung zusammenhalten
Als ersten Beweggrund nennen die Verfasser den Schutz der Einheit der Vereinigung.
In der Debatte stehen unterschiedliche Haltungen nebeneinander: Die einen halten es für wesentlich, den Charakter als Vereinigung ehemaliger Soldaten zu bewahren, die anderen wünschen sich eine größere Öffnung gegenüber den Freunden der Alpini (Amici degli Alpini), auch bei den Ämtern.
Der Vorschlag sucht eine Lösung, die beiden Anliegen Raum gibt, damit die Debatte nicht zu Austritten, Spaltungen oder Abspaltungen führt. Die gemeinsame Werte-Charta würde zum Fundament der Verbindung zwischen den beiden Vereinigungen.
Kontinuität, Verantwortung und Teilhabe
Das zweite Ziel ist es, die bereits laufenden Tätigkeiten fortzuführen, indem neue Mitglieder in die ANVA eintreten und eingebunden werden.
Das Projekt sieht vor, dass die angeschlossenen Mitglieder und die Freunde der Alpini in die ANVA wechseln und deren Mitgliederbasis bilden. Außerdem nennt es eine schrittweise Weitergabe von Werten und Kompetenzen und führt Bereiche wie den Zivilschutz, die Führung der Hütten und den Immobilienbesitz an.
Es handelt sich um vorgeschlagene Schritte, deren Umsetzung und Folgen noch gründlich zu prüfen wären: Das Schema ist keine beschlossene Maßnahme.
Ein weiteres zentrales Element ist die Eigenständigkeit. Die neue Vereinigung soll ihren Mitgliedern Ämter, Verantwortung und eigene Gestaltungsräume bieten und ihren Beitrag wertschätzen. Vorgesehen sind auch der Austausch von Erfahrungen und das Miteinander in den Vereinssitzen: Orte, an denen man sich weiterhin trifft und gemeinsam arbeitet.
Eine Debatte, die Respekt verlangt
Im Begleittext berichtet der Verfasser, der Präsident der Sektion Verona habe die Zonen eingeladen, konkrete Vorschläge zur Zukunft der Vereinigung vorzulegen. Die Ausarbeitung der Gruppe Verona Centro sei von der Zona Verona 1 übernommen und anschließend in der Sektion vorgestellt worden.
Der Text wurde am Vorabend des Treffens vom 3. Oktober 2026 in Piacenza geschrieben, bei dem die Präsidenten der ANA-Sektionen über die Zukunft der Vereinigung beraten. Der Verfasser wünscht sich, dass mögliche Änderungen den ordentlichen Weg der vereinsinternen Demokratie gehen. Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung kennen wir die Ergebnisse nicht: Wir stellen das Dokument seines Inhalts wegen vor, ohne ihm ungeprüfte Entwicklungen zuzuschreiben.
Seine Einladung zum Gespräch verdient Beachtung: Ideen sollen in der Sache diskutiert werden, mit Respekt vor den Menschen und ohne die Anmaßung, die einzig mögliche Antwort zu besitzen.
Auch für eine Gemeinschaft wie die unsere geht es bei der Zukunft der Vereinigung um sehr konkrete Dinge: einen Vereinssitz öffnen, eine Veranstaltung organisieren, ein Archiv hüten, für jene da sein, die Hilfe brauchen.
Wie lässt sich die Identität der Alpini bewahren und zugleich jenen Verantwortung geben, die ihre Werte lebendig halten wollen? Der Vorschlag aus Verona bietet eine mögliche Antwort. Weitere entstehen in anderen Gruppen und Sektionen. Wir wünschen uns, dass jene, die die Verantwortung für die Führung der Vereinigung tragen, ihnen zuhören: Wenn Alpini Fragen stellen und Vorschläge machen, verdienen sie Aufmerksamkeit.
Quelle: Schema „Progetto Futuro associativo — Gruppo ANA Verona Centro“ und Begleittext, die für die Vorbereitung dieses Artikels zur Verfügung gestellt wurden. Titelfoto: die Alpini-Gruppe Salce im Regen von Genua, Nationale Adunata, Mai 2026 (Foto Michele Sacchet).