Santo Stefano di Cadore – die Geschichte einer Kaserne und der Alpini, die dort gelebt haben
Eine Kaserne ist nicht nur ein Gebäude. Für Tausende Alpini war sie ein Ort der Ausbildung, der Freundschaft, der Entbehrung und der Erinnerungen, die noch viele Jahre nach dem Abrüsten lebendig sind. Mit „Unsere Alpinikasernen“ beginnen wir eine Reise zu den Orten, an denen Generationen von Gebirgsjägern einen wichtigen Teil ihres Lebens verbracht haben.
Eine Kaserne aus den Kriegsjahren
Die Kaserne wurde 1940–1941 im Rahmen des Grenzverteidigungsprogramms errichtet, das als „Vallo alpino del Littorio“ (Alpenwall) bekannt ist. Bis Mitte der 1970er-Jahre war sie ausschließlich das „Zuhause“ der truppe d’arresto, der ortsfesten Sperrtruppen.
Sie liegt am Zusammenfluss des Padola-Bachs mit der Piave, in der Via Medole, am südlichen Ortseingang von Santo Stefano di Cadore: Wer von Süden auf der Staatsstraße 52 „Carnica“ kommt, findet sie links, gleich nach der Brücke über die Piave.
Die Anlage besteht aus fünf Gebäuden. Vier stammen aus der Bauzeit: das Hauptgebäude mit vier Stockwerken und Untergeschoss, das sogenannte „Offiziersgebäude“ an der Via Venezia sowie zwei kleinere Bauten für Kantine und Küche und für die Kraftfahrzeugabteilung. Das fünfte ist ein zweistöckiges Gebäude mit Dachboden aus den 1970er-Jahren. Der Exerzierplatz liegt nördlich des Hauptgebäudes; westlich davon, tiefer gelegen und über eine Rampe verbunden, befindet sich der Eingangshof mit der Einfahrt.
Von den Sperrtruppen zu den Alpini
Die Guardia alla Frontiera
Die Guardia alla Frontiera (Grenzwache) wurde 1937 offiziell aufgestellt. Ausbildung und Uniform ähnelten stark denen der Alpini, doch der Hut trug keine Feder: Deshalb nannte man das Korps im Piemont „la vidoa“, die Witwe. Der Alpenwall war in einen westlichen, nördlichen und östlichen Abschnitt gegliedert und weiter in Armeekorps, Sektoren und Untersektoren.
In diesen Jahren war die Kaserne von Santo Stefano Sitz des Kommandos des Untersektors XVI/A „Cadore“, der dem Sektor XVI „Cadore-Carnia“ des XIV. Armeekorps mit Kommando in Treviso unterstand. Zum Untersektor gehörten die Sperren Passo Monte Croce Comelico, Cima Canale, Santo Stefano di Cadore, Val Frison, Cima Gogna, Passo Cimabanche und Passo Tre Croci. Mit dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurde die Guardia alla Frontiera aufgelöst.
Die Nachkriegszeit und die Stellungstruppen
Der Friedensvertrag verlangte, die Befestigungen an der italienisch-jugoslawischen Grenze zu zerstören oder zu entfernen. Doch schon Anfang der 1950er-Jahre führte die Furcht vor einem Angriff aus dem Osten zu einem neuen ständigen Befestigungssystem an der Ostgrenze, das Mitte der 1960er-Jahre fertiggestellt wurde.
1948 entstanden die ersten Stellungsbataillone (battaglioni da posizione) zur Besetzung der festen Anlagen an der Nordostgrenze. Ab dem 1. September 1952 wurden Grenzverbände aufgestellt, und in Santo Stefano bezog eine Gruppe des XII. Grenzverbands mit Kommando in Paluzza Quartier. Nach der Auflösung des XII. Verbands 1954 kam die Gruppe als Sperrgruppe „Cadore“ zur Alpinibrigade „Cadore“. Ab 1957 hießen Verbände und Gruppen Alpini-Stellungsverbände und -bataillone, mit örtlicher oder höchstens regionaler Rekrutierung.
Das XIX. Bataillon und das „Val Cismon“
Ab 1957 beherbergte die Kaserne, die inzwischen nach Oberstleutnant Carlo Luigi Calbo benannt worden war, Alpini-Einheiten: Sie war Sitz des XIX. Alpini-Stellungsbataillons, vormals Bataillon „Cadore“, mit seinem wunderbaren Wahlspruch „Chi osa, s’infrange“ („Wer es wagt, zerschellt“). 1962–63 wurden Verbände und Bataillone zu Sperreinheiten („d’arresto“), und ab dem 1. Juli 1963 trugen sie die Namen der „Val“-Bataillone, die sich an der griechisch-albanischen Front und in Russland ausgezeichnet hatten: Aus dem XIX. wurde das Alpini-Sperrbataillon „Val Cismon“ (Battaglione alpini d’arresto „Val Cismon“) mit den Kompanien 264, 265, 277 und 347. Das Bataillon nahm an den Einsätzen zur öffentlichen Ordnung gegen den Terrorismus in Südtirol teil.
Vom Val Cismon zum Pieve di Cadore
Mit der Heeresreform von 1975 wurde das Bataillon aufgelöst. Es blieb nur eine selbständige Kompanie, zunächst bei der Alpinibrigade „Cadore“, dann bei der „Tridentina“; 1979 wurde sie als 264. Alpini-Sperrkompanie „Val Cismon“ des Bataillons „Val Brenta“ in die Kaserne „Druso“ in Innichen (San Candido) verlegt und am 23. August 1986 zusammen mit ihm aufgelöst.
Ab Mitte der 1970er-Jahre war in der „Calbo“ die 75. Kompanie des Alpinibataillons „Pieve di Cadore“ untergebracht, „la camorz“, und nach dem Abzug der 264. auch die 67., „la saetta“.
«A Santo Stefano… a casa per telefono.»
Die letzten Alpini in der Calbo
1995 wurde das Bataillon auf Kaderstärke reduziert und am 31. Januar 1997 aufgelöst: Die letzten Alpini verließen die „Calbo“. Die Auflassung zog sich bis Anfang der 2000er-Jahre hin, als die Kaserne noch als Logistikbasis diente.
Zu danken ist den Alpini-Gruppen der ANA-Sektionen und den Jahrgängen, die bei Treffen und Veranstaltungen in der Kaserne die Außenanlagen gereinigt und hergerichtet haben.
🎖 Der Mann hinter dem Namen

Carlo Luigi Calbo
Belluno, 24. Dezember 1898 – Russland, Januar 1943
Carlo Luigi Calbo wurde am 24. Dezember 1898 in Belluno geboren. Noch nicht achtzehnjährig meldete er sich freiwillig und nahm am Ersten Weltkrieg teil, zuerst als Offiziersanwärter im 2. Gebirgsartillerieregiment, dann im 3., wo er zum Leutnant ernannt wurde.
1919 ging er mit dem Expeditionskorps für das östliche Mittelmeer nach Anatolien; nach der Rückkehr wurde er im Juni 1920 als Oberleutnant entlassen. 1921 trat er wieder in den aktiven Dienst beim 3. Gebirgsartillerieregiment ein und kehrte 1932 mit der Beförderung zum Hauptmann zum 2. zurück. Er kämpfte im Spanischen Bürgerkrieg; zum 1. Januar 1940 zum Major befördert, war er im Juni desselben Jahres mit der Alpini-Artilleriegruppe „Vicenza“ an der westlichen Alpenfront und von November 1940 bis April 1941 an der griechisch-albanischen Front.
Zum 1. Januar 1942 zum Oberstleutnant befördert, zog er acht Monate später mit dem 2. Alpini-Artillerieregiment der Division „Tridentina“ nach Russland. Er fiel Ende Januar 1943 im Kampf, während des Rückzugs.
Nach seinem Tod legten seine Artilleristen den Leichnam auf einen Schlitten und brachten ihn aus dem Kessel, um ihm ein würdiges Begräbnis zu geben.
Auszeichnungen: Goldene Tapferkeitsmedaille (Mittlerer Don, 17.–26. Januar 1943); Kriegskreuz für Tapferkeit (Mittlere Piave, Oktober–November 1918); Beförderung zum Major wegen Kriegsverdiensten (griechisch-albanische Front, 1940).
Nach ihm benannt sind außerdem eine Straße in Belluno im Viertel Nogarè, eine Gedenktafel mit anderen mit der Goldmedaille ausgezeichneten Artilleristen an der Strada degli Artiglieri in Costa Volpina südlich von Rovereto sowie eine Trophäe im Berglauf.
Die Begründung der Goldmedaille lesen
Italienischer Originaltext:
«Comandante l’artiglieria di una colonna in ripiegamento in lungo periodo di contingenze eccezionalmente avverse, sempre si imponeva all’ammirazione di capi e gregari, per il suo incomparabile valore. Dopo aver solidamente contribuito, col magistrale impegno delle sue batterie, all’esito vittorioso di ben undici battaglie combattute nel gelo torturante della steppa, di fronte a situazione ormai tragica, conscio dell’alta responsabilità di un comandante che non ha limiti alla sua missione, quando le batterie divennero inerti per forza di eventi, egli fece di artiglieri, alpini, e li portò all’assalto con la fede e la ferma volontà di vincere che mai in lui erano venute meno. Mortalmente colpito da pallottola nemica sulle posizioni ormai conquistate, serenamente come era vissuto, donava alla Patria la sua vita luminosa di eroe.»
Medio Don (Russland), 17.–26. Januar 1943
Sinngemäß: Als Artilleriekommandant einer sich zurückziehenden Kolonne verschaffte er sich in einer langen Zeit außergewöhnlich widriger Umstände durch seine unvergleichliche Tapferkeit die Bewunderung von Vorgesetzten und Soldaten. Nachdem seine Batterien entscheidend zum siegreichen Ausgang von elf Gefechten in der quälenden Kälte der Steppe beigetragen hatten, machte er, als die Geschütze nicht mehr feuern konnten, aus seinen Artilleristen Alpini und führte sie mit unerschütterlichem Glauben und Siegeswillen zum Angriff. Auf den eben eroberten Stellungen tödlich getroffen, gab er so gelassen, wie er gelebt hatte, sein Leben für das Vaterland.
Eine Erinnerung, getragen von denen, die dort gedient haben
Die erste Fassung dieser Geschichte schrieb unser Gruppenrat Oscar Colle für den Col Maòr, das Mitteilungsblatt der Gruppe, gemeinsam mit Mitgliedern, die ihren Militärdienst in der „Calbo“ geleistet haben:
- Giuseppe Bortot – Unteroffizier (Feldwebel) der Reserve, Alpini-Sperrbataillon „Val Cismon“
- Renato Bortot – Unteroffizier (Feldwebel) der Reserve, Alpini-Sperrbataillon „Val Cismon“
- Cesare Colbertaldo – Leutnant der Reserve, 75. Kompanie des Alpinibataillons „Pieve di Cadore“
- Ennio Dell’Eva – Leutnant der Reserve, 264. Alpini-Sperrkompanie „Val Cismon“ (selbständig)
- Gianpaolo Garna – Obergefreiter (caporal maggiore), 67. Kompanie des Alpinibataillons „Pieve di Cadore“
Denn von unseren Kasernen zu erzählen heißt auch, von den Alpini zu erzählen, die in ihnen gelebt haben.