Die Viehversicherung von Salce

Salce im Herzen — Das Dorf von damals4 Min. Lesezeit

SALCE IM HERZEN — Das Dorf von damals

Als eine Gemeinschaft ihre Kühe gemeinsam versicherte

Der Verlust einer Kuh konnte für einen bäuerlichen Haushalt schwer wiegen. In Salce fanden Familien eine gemeinsame Antwort: Sie unterstützten Mitglieder, die Rinder durch Krankheit oder Unfall verloren. Im örtlichen Dialekt hieß ihre Vereinigung mutua dei bistian, eine Viehversicherung auf Gegenseitigkeit. Ihre Geschichte überlieferte Paolo Tormen im März 2005 im Col Maòr, in der Reihe „Quando tuti se avea ’na vacheta“ über das ländliche Leben.

14. Juli 1960: Die Mutua entsteht

Am 14. Juli 1960 entstand mit der Genehmigung ihrer Satzung offiziell die „Società Mutua di Assicurazione sugli infortuni e malattie degli animali“. Die Idee war etwa zwei Jahre zuvor bei einem örtlichen Lehrgang zur Tierhaltung aufgekommen, den das Landwirtschaftsinspektorat förderte. Das Ziel war klar: Mitglieder für den Verlust von Rindern durch Unfall oder Krankheit zu entschädigen. Ein Risiko eines einzelnen Haushalts wurde damit zur gemeinsamen Verantwortung.

Neun Männer, eine ganze Gemeinschaft

Dem ersten Vorstand gehörten Silvio Toffoli, Giuseppe Carlin, Sperandio Dell’Eva, Cesare Colbertaldo, Paolo Bortot, Costante Bortot, Ugo Dallo, Angelo Roni und Giacomo Dal Pont an. Giacomo Dal Pont war zugleich der erste gewählte Vorsitzende. Diese Namen führen zu den Menschen, die das tägliche Zusammenleben organisierten. Weitere Quellen lassen bereits Silvio Toffolis Lebensweg erkennen. Bei den anderen Männern müssen Verbindungen noch belegt werden; Namensgleichheit allein genügt nicht.

79 Familien und mehr als 400 Tiere

Um 1970, zur Zeit ihrer größten Verbreitung, zählte die Mutua 79 Familien aus Salce, Col di Salce, Giamosa, Bettin, Casarine, Bes, Sois und Col del Vin. Zum versicherten Bestand gehörten 226 ausgewachsene Rinder und 175 Jungtiere, insgesamt 401 Tiere. Tormen verband diese verbreitete Tierhaltung auch mit der sorgfältigen Bewirtschaftung der Wiesen, die das notwendige Futter lieferten.

Ein Mann hält ein Rind am Halfter vor ländlichen Gebäuden
Die Aufnahme zum Artikel „La mutua dei bistian“ im Col Maòr Nr. 1, März 2005, S. 6. Identität des Mannes, Ort, Datum und Fotograf sind noch zu klären. Archivquelle: Materialien des Col Maòr.

Eine Holzkiste voller Erinnerungen

2005 beschrieb Tormen Unterlagen, die etwa zwanzig Jahre lang in einer verstaubten Holzkiste gelegen hatten: Satzung, Protokolle der Versammlungen und Vorstandssitzungen, Bilanzen und Abrechnungen. Die handgeschriebenen Seiten hielten Tiergewichte, Ursachen von Verlusten, schwierige Geburten und Probleme der Stallhaltung fest. Auch die Mühe, diese Aufzeichnungen zu führen, zeigte die Verantwortung von Menschen, deren Alltag vor allem in der Feldarbeit bestand. Die Tätigkeit endete in den 1980er-Jahren. Nach Tormens Darstellung von 2005 wurde die Mutua nie formell aufgelöst. Der heutige Aufbewahrungsort ihrer Unterlagen ist noch unbekannt.

Silvio Toffoli „Velico“: Ein Name bekommt eine Geschichte

Im Juni 2005 veröffentlichte Roberto De Nart die Erinnerungen von Silvio Toffoli „Velico“, der in der 77ª Compagnia, Battaglione Belluno, 7° Alpini gedient hatte. Ein im Oktober 2010 erschienener Nachruf mit der Unterschrift C.E. belegt seine Verbindung zur Mutua. Toffoli wurde am 11. Juni 1921 in Vittorio Veneto geboren, kam 1939 nach Salce und arbeitete auf den Feldern in Cerentin, Col di Salce. Er war Verwalter der örtlichen Molkereigenossenschaft und Mitbegründer der „Mutua delle vacche“. Dieselbe Quelle erinnert an ihn als Gründungsmitglied des Gruppo Alpini. In diesem belegten Lebensweg treffen Militärdienst, Landwirtschaft und Gemeinschaftsarbeit zusammen.

Salce, eine Gemeinschaft

MEMORIA verbindet Menschen, Orte, Fotografien, Zeitungen, Dokumente und Familien. Ein Name in einer Zeitung führt zu einem Ort oder einer Vereinigung; ein Protokoll kann zeigen, wer eine Entscheidung traf. Die Mutua verbindet acht Orte und über Silvio Toffoli auch den Gruppo Alpini. Die Geschichten von MEMORIA wachsen mit neuen Belegen. Familienerinnerungen helfen bei der Suche und werden überprüft, bevor sie als gesicherte Tatsachen veröffentlicht werden.

Wo sind diese Unterlagen geblieben?

Die 2005 beschriebene Holzkiste konnte in der bisherigen Recherche noch nicht gefunden werden. Bewahren Sie Satzungen, Protokolle, Mitgliedskarten, Bilanzen, Mitgliederlisten, Fotografien oder Quittungen auf? Wissen Sie, wer diese Unterlagen besitzt, oder haben Sie eine Familienerinnerung an die Mutua? Bitte kontaktieren Sie den Gruppo Alpini Salce und nennen Sie möglichst die Herkunft und den Zeitraum der Erinnerung. Auch Hinweise auf den Mann oder den Hof auf dem Foto können weiterhelfen.

Die Mutua war mehr als eine Versicherung. Sie war eine Form dörflicher Solidarität.

📚 AUS DEN QUELLEN VON MEMORIA

  • Paolo Tormen, «La mutua dei bistian», Col Maòr n. 1, marzo 2005, p. 6.
  • Roberto De Nart, «La testimonianza di Silvio Toffoli — Con il 7° Alpini in Jugoslavia nel 1941-42», Col Maòr n. 2, giugno 2005, p. 8.
  • C.E., «Ricordando Silvio Toffoli — Socio fondatore, ex combattente e reduce», Col Maòr n. 3, ottobre 2010, p. 3.

Col Maòr 1/2005 · Col Maòr 2/2005

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