Die Kirche auf dem Hügel, die Villa des Generals, die Bar, an der die Gruppe ihr Schild aufhängte, und das kleine Haus, das zum ersten eigenen Sitz der Alpini wurde
„Nuova Veduta di Col di Salce presso Belluno“ – eine neue Ansicht von Col di Salce bei Belluno – steht oben auf der Postkarte, die diese Seite eröffnet und im Buch zum 60-jährigen Bestehen erhalten ist. Wer um 1920 das Foto für diese Postkarte machte, war an der Staatsstraße stehen geblieben. Vor ihm ein Maisfeld, dann eine sanft ansteigende Wiese und oben alles, woran man das Dorf jahrzehntelang auf den ersten Blick erkannte: der spitze Glockenturm, die Kirche und daneben das große, kantige Haus der Villa mit ihren Wirtschaftsgebäuden.
Ein einfaches Bild – und doch steckt darin fast die ganze Geschichte, die die Unterlagen der Gruppe erzählen lassen. Auf diesem Hügel stand die Pfarrkirche der Gemeinschaft von Salce. In dieser Villa lebte der General, der den Alpini des Dorfes seinen Namen geben sollte. Und nur wenige Schritte weiter, zwischen Kirche und Häusern, spielten sich viele der Augenblicke ab, die der Col Maòr in sechzig Jahren festgehalten hat: Feste, Abfahrten zu den Adunate vor Tagesanbruch, Befana-Feiern, Versammlungen, Abschiede.
Die Kirche San Bartolomeo
Im Buch zum 60-jährigen Bestehen erscheint die Kirche von Col di Salce in einer Bleistiftzeichnung von Augusto Burlon, mit einer Bildunterschrift, die keinen Zweifel lässt: „Col di Salce – Pfarrkirche San Bartolomeo“. Dasselbe Buch erinnert daran, dass die Kirche San Pietro in Salce im 16. Jahrhundert gebaut wurde, „200 Jahre nach jener von San Bartolomeo“, und schreibt das Altarbild dem aus Salce stammenden Maler Luigi Speranza zu.

Wenn der Col Maòr eine Messe ankündigt, schreibt er fast immer dieselben Worte: „in der Pfarrkirche von Col di Salce“. Dort gedachte die Gruppe jedes Jahr ihrer verstorbenen Mitglieder und der Gefallenen; dort endete 2004 die Ausstellung zum vierzigjährigen Bestehen mit einer Messe zum Gedenken an Mario Dell’Eva. Und der Kirchplatz war, mehr noch als die Kirche, der Dorfplatz. Das Buch widmet ihm eine ganze Seite, „Sul Sagrato di Col“: der Chor, der beim Gedenken an die Gefallenen „Signore delle cime“ singt, die Pfarrgemeinde, die 2004 das goldene Priesterjubiläum von Don Lorenzo Sperti feiert, und ein Foto von 1938, aufgenommen beim Auszug aus der „Mesa Granda“, dem Hochamt – voller Hüte und schwerer Mäntel.

Auf dem Kirchplatz steht auch das Kriegerdenkmal; der Col Maòr schreibt es 2020: „Es steht auf dem Kirchplatz unserer Pfarrkirche.“ Es ist das Denkmal, das die Gruppe gemeinsam mit der Gemeinschaft in den 1960er-Jahren errichten ließ, mit den Namen aller Gefallenen. Nicht immer stand eine Menge um diesen Stein. Am 4. November 1970 wurde in Col di Salce eine Abendmesse gefeiert und ein von der Gemeinde gestifteter Kranz niedergelegt; das Mitteilungsblatt zählte die Anwesenden – den Wimpel der Gruppe, „16 (sechzehn!) Männer, zwei Frauen und zwei Nonnen“ – und verbarg seine Bitterkeit nicht: „Wer dabei war, ist wirklich enttäuscht gewesen.“
Auch der Glockenturm hat seine Geschichte. Am 24. August 1974 wurden die automatisierten Glocken eingeweiht. Das Foto, von unten aufgenommen, zeigt Carlo Dal Pont, genannt „Gambina“, wie er sich hinauslehnt und die Glocken umarmt, die er nie wieder am Seil läuten wird. Die Bildunterschrift des Buches sagt es mit wenigen Worten: „Es ist ein Abschied.“

Die Villa des Generals
Als die Alpini-Gruppe Salce 1964 ihren Namensgeber wählte, begann die Begründung mit drei Worten: „Bürger von Col di Salce“. General Pietro Zaglio, einst Kommandant des 7. Alpini-Regiments, 1885 in Verona geboren, lebte lange in Col di Salce und starb dort 1961. Eine Zeitung jener Jahre, vom Col Maòr wieder abgedruckt, begrüßte seine Beförderung zum General mit dem Hinweis, er ehre Belluno seit Langem „mit seinem Wohnsitz im kleinen Ortsteil Col di Salce“. Und das erste Porträt, das ihm das Mitteilungsblatt 1964 widmete, hält ein genaues Bild fest: „Die traurigen Tage des 8. September 1943 fanden ihn in seiner Villa in Col di Salce, krank und müde, aber stolz wie immer.“

Um die Villa drehte sich das Leben eines Landguts. Auf einem Foto der Weinlese von 1939 stehen zwischen den Reben die Bortots – Paolo, Zaccaria, Ottorina und Giovanni – neben Eugenia Zaglio, der Tochter des Generals, und Nella Prosdocimi Zaglio, seiner Frau. Zehn Jahre später, im November 1949, war der „Cortile dei Zaglio“, der Hof der Zaglio, der Rahmen für die Hochzeit von Attilio De Salvador und Antonietta Bortot, mit Pfarrer Don Ettore Zanetti.

Im Col Maòr von 2016 hat Paolo Tormen jene „colonìa della famiglia Zaglio“, den Hof der Familie Zaglio, anhand von Alba erzählt, der Rotschimmelstute, die dort fast zwanzig Jahre lang mit Rico, dem Halbpächter, arbeitete. Ihr Stall, schreibt er, lag „mitten im Dorf, zwischen der Kirche, der Bar ‚da Ciso‘, al dugo dei sboc und der Straße hinunter nach Nére“, sodass auch sie auf ihre Weise am Leben aller teilnahm. In einem einzigen Satz steckt die ganze Geografie des Dorfes. Im Juni 2012 brachte eine Theatergruppe von Eltern im Hof der Villa Zaglio eine Mundartkomödie auf die Bühne, „Quàtro Ciàcole in Cortivo“.
Bei Narciso, wo die Gruppe ihr Schild aufhängte
Viele Jahre lang hatte die Alpini-Gruppe Salce kein eigenes Zuhause. 1964 meldete der Col Maòr: „An der Außenseite der Bar ‚Da Narciso‘, Sitz unserer Gruppe, wurde das neue Schild der Gruppe angebracht.“ Angekündigt wurde auch ein kleiner Schrank für Wimpel und Archiv, ein Jahr später ein Anschlagbrett in der Bar für die Mitteilungen an die Mitglieder. Tarcisio Colbertaldo, „Ciso“, Bruder des späteren Gruppenleiters Decimo, gehörte zu den ersten Rechnungsprüfern; bei ihm meldete man sich zu den Ausflügen an, und in einem Dialog von 1966 beenden zwei alte Männer aus Salce ihr Gespräch mit der üblichen Frage: „’ndone a bere n’ombra su da Ciso?“ – gehen wir auf ein Glas hinauf zu Ciso?
Am 25. Oktober 1964, nach dem Trauerjahr für die Katastrophe des Vajont, konnte die Gruppe endlich feiern. Das im Mitteilungsblatt gedruckte Programm stellt Col di Salce in den Mittelpunkt: um 9.30 Uhr „Sammeln auf dem Kirchplatz der Kirche von Col di Salce“, dann die Segnung des Wimpels, die Messe in der Pfarrkirche, der Kranz für die Gefallenen und die Dankesrede. Gruppenleiter war Giovanni Dal Pont. Um 11.30 Uhr Umtrunk „da Narciso“ im Saal im ersten Stock: „in pié come i cavai“, im Stehen wie die Pferde, warnte das Programm – aber fröhlich.
Mehr als zwanzig Jahre lang meinte der Col Maòr, wenn er „den Sitz“ schrieb, diesen Ort: 1974 wurden die Anmeldungen für den Ausflug beim „Vereinssitz – Bar von Col di Salce“ gesammelt, dort erneuerte man die Mitgliedsmarken, holte die Abzeichen ab und reservierte die Plätze im Bus. Auch das Blatt selbst ging von dort aus: Mario Dell’Eva schloss die Ausgaben der Sechzigerjahre mit seiner Unterschrift und einer Zeile, „Col di Salce, April 1966“, und die Anschrift der Redaktion war die des Dorfes. Doch es war eine Notlösung, und Ende 1985 nannte der Gruppenleiter sie ohne Umschweife einen „provisorischen Sitz“.
Endlich ein eigener Sitz
Die Wende kam im Juli 1987, und das Mitteilungsblatt feierte sie auf Latein: „Salce: habemus sedem!“ Gruppenleiter Decimo Colbertaldo hatte einen Mietvertrag über neun Jahre für „ein kleines Haus in Col di Salce“ unterschrieben – ein Wohnhaus, wie der Col Maòr viele Jahre später erinnerte, „mitten in Col di Salce“. Das Haus musste von Grund auf hergerichtet werden. Die Mitglieder machten es selbst, an Samstagen und Sonntagen: unter ihnen Cesare Colbertaldo, Toni Tamburlin, Ernesto Barattin, Mario De Luca, Mario Dell’Eva, Ezio Caldart und Decimo selbst.

Für Sonntag, den 22. November 1987, setzte das Mitteilungsblatt nach der Messe für die verstorbenen Mitglieder und die Gefallenen die offizielle Eröffnung an; die Dezemberausgabe meldete, der Sitz sei „eingeweiht, gesegnet und für die Mitglieder geöffnet“ worden, gemeinsam mit denen des Sportvereins U.S. Salce Renault – samstags von 17 bis 19 Uhr, sonntags von 10 bis 12 Uhr. Der neue Gruppenleiter Ezio Caldart dankte allen, die „an der Verwirklichung unseres Sitzes in Col di Salce“ mitgearbeitet hatten, und lud alle ein, ihn zu besuchen. Im folgenden Jahr verschönerten Cici Carlin, Carlo Colbertaldo, Celeste Sommacal, Toni Fratta, Giovanin Bortot, Mario De Luca, Italo Bertin, Bruno Boito und Decimo Colbertaldo die Fassade. 1995 erwiderten die Alpini aus Salce in diesen Räumen die Gastfreundschaft ihrer Freunde aus San Damiano d’Asti, „an einem Abend voller Fröhlichkeit“.
Dieser Vertrag, so das Buch zum 60-jährigen Bestehen, wurde bei Ablauf nicht verlängert. Inzwischen war die Idee eines anderen Sitzes gereift, gemeinsam gebaut mit dem Sportverein U.S. Salce, dem Bocciaclub Piave und den Blutspendern der AVIS Salce: den Vereinen, die zusammen mit den Alpini die „4 Stelle“ bilden. Heute ist die Gruppe in der Via del Boscon zu Hause. Doch ihr erster eigener Sitz, an den der Col Maòr noch 2025 erinnerte, war ein kleines Haus in Col di Salce.
Ein Dorf, das zusammenkommt
In Col di Salce entstand auf Wunsch von Marianna De Biasio, verwitwete Carli, der Kindergarten „Luigi Aldo Carli“, benannt nach ihrem Mann und ihrem Sohn Aldo, der im April 1945 getötet wurde. Im November 1959 kam der Bürgermeister von Belluno, Annibale De Mas, nach Col di Salce, um die neue Umgehungsstraße und die Heizung des Kindergartens einzuweihen. Im Pfarrhaus von Col di Salce traf sich 1965 zum ersten Mal der Sportverein, aus dem später Salce Renault wurde.

Jahrzehntelang fuhren die Busse zu den Ausflügen und Adunate in Col di Salce ab, oft vor Tagesanbruch: „Abfahrt von Col di Salce um 4.30 Uhr“. Nach Col di Salce kam die Befana der Alpini – 1987 sogar mit dem Fahrrad –, und noch im Januar 2017 erschien sie auf dem Kirchplatz, „liebevoll begleitet“ von den Alpini, mit Strümpfen für die Kinder. Hier führten das Radrennen und später die Radtour von San Bartolomeo vorbei: 1988 erhielt Toni Tamburlin den Pokal aus den Händen von Don Gioacchino Belli, im Hintergrund Mario Dell’Eva. Und 1999 wurden die restaurierten Brunnen von Salce und Col di Salce eingeweiht, bezahlt mit einer Sammlung unter den Leuten beider Dörfer, nachdem die Gruppe die Umgebung gesäubert hatte.
Was bleibt
Zwischen der Postkarte von 1920 und den Fotos zum sechzigsten Jubiläum hat sich das Dorf verändert: Der Glöckner hat die Seile losgelassen, der Vertrag für das kleine Haus wurde nicht verlängert, die Alpini haben in der Via del Boscon ein Zuhause gefunden. Doch wer in den Unterlagen der Gruppe blättert, für den bleibt Col di Salce der Ort, an dem alles wieder beginnt. Es ist der Kirchplatz, auf dem sie sich 1964 zu ihrem ersten Fest versammelten, der Name, den Mario Dell’Eva unter das Blatt schrieb, die Tür, vor der Decimo Colbertaldo seinen Dank vorlas. Wer den Ort wiederfinden will, kann bei jener Postkarte beginnen: das Feld, die ansteigende Wiese, oben der Glockenturm.
Die Daten
| 1920 | Postkarte „Nuova Veduta di Col di Salce presso Belluno“ |
| 1938 | Menschenmenge auf dem Kirchplatz nach der „Mesa Granda“ |
| 8. September 1943 | General Pietro Zaglio ist in seiner Villa in Col di Salce |
| November 1949 | Hochzeit im „Cortile dei Zaglio“ |
| 1950 | Der Kindergarten „Luigi Aldo Carli“ hat gerade eröffnet |
| 1961 | General Zaglio stirbt in Col di Salce |
| 1964 | Die Bar „Da Narciso“ ist Sitz der Gruppe |
| 25. Oktober 1964 | Offizielle Einweihung der Gruppe: Sammeln auf dem Kirchplatz von Col di Salce |
| 4. November 1970 | Abendmesse und Kranz am Kriegerdenkmal |
| 24. August 1974 | Einweihung der automatisierten Glocken |
| Juli 1987 | Neunjähriger Mietvertrag für das kleine Haus in Col di Salce, den ersten eigenen Sitz |
| 22. November 1987 | Offizielle Eröffnung des Sitzes |
| 1988 | Die Mitglieder verschönern die Fassade des Sitzes |
| 1999 | Restaurierte Brunnen von Salce und Col di Salce eingeweiht |
| 2012 | Mundartkomödie im Hof der Villa Zaglio |
Im Netz von MEMORIA
- General Pietro Zaglio, „Bürger von Col di Salce“
- Decimo Colbertaldo, der Gruppenleiter des ersten Sitzes
- Mario Dell’Eva, der den Col Maòr aus Col di Salce unterschrieb
- Mario De Luca, Toni Tamburlin, Ernesto Barattin und Toni Fratta, bei der Arbeit im kleinen Haus
- Ein Trauerjahr, dann der Wimpel: das Fest von 1964
- Die Befana der Alpini
- Die Osteria Supani, ein weiteres Gasthaus, in dem sich Salce traf
Die Quellen
- Col Maòr Nr. 2/1964 (General Zaglio); Nr. 3 und 4/1964 (Bar „Da Narciso“, Programm des 25. Oktober); Nr. 6/1965; Nr. 2/1966 und Nr. 6/1969 (Unterschrift und Anschrift der Redaktion); Nr. 6/1970 (4. November); Nr. 5/1974 und Nr. 1/1976 (der Sitz in der Bar von Col di Salce)
- Col Maòr Nr. 1/1986 (der „provisorische Sitz“); Nr. 4, 5 und 6/1987 („Salce: habemus sedem!“, Eröffnung und Einweihung); Nr. 4/1988; Nr. 5/1995; Nr. 1/1999 (die Brunnen)
- Col Maòr Nr. 1, 3 und 4/2005; Nr. 2/2009; Nr. 2/2011; Nr. 2/2012; Nr. 2/2016 (Paolo Tormen, „Alba“); Nr. 1/2017; Nr. 3/2020; Nr. 2/2025
- Buch zum 60-jährigen Bestehen der Alpini-Gruppe Salce (2024), S. 28, 37, 42, 74, 92, 97, 102, 104, 108, 112, 117, 120, 128-129, 168