Etymologie und Geschichte der Dienstgrade (1. Teil)
Die Bezeichnung für die Kategorie unmittelbar unter den Offizieren stammt vom französischen „Sous Officier“.
Früher wurde sie „Bas Officier“ genannt, niedere Offiziere, ein Ausdruck, der so lange gebräuchlich war, bis man ihn als beleidigend empfand.
Tatsächlich beschrieb die einfachste Erklärung des Begriffs – mit derselben Wurzel wie „Offizier“, opus facere – die Aufgaben der Unteroffiziere, die als „niedrig“ galten, nicht weil sie gering waren, sondern weil sie in der Befehlskette „weiter unten“ standen.
Man hielt es daher für besser, die Kategorie nach ihrer Stellung in der Hierarchie statt nach ihren Aufgaben zu bezeichnen.
SERGEANT
Nach manchen war der Sergeant im Mittelalter der Anführer der Pagen und Knappen, die einem Herrn folgten.
Daher die Verbindung mit einem Anführer, einem Herrn über viele Leute. Eine andere Deutung führt ihn auf das Partizip Präsens des lateinischen Verbs servire zurück, serviente, der Dienende. In der Ritterzeit waren die Sergeanten die Diener der Ritter.
Eine weitere Deutung zerlegt das Wort in serra gente, „schließe die Reihen“: die Aufgabe der Männer an den Flügeln der Infanterieaufstellungen, die verhindern sollten, dass die Reihen unter dem Ansturm oder dem Feuer des Feindes auseinanderbrachen.

Der Sergeant war ein Subalternoffizier der italienischen Milizen des Risorgimento, und um 1200 nannte man in Italien den einfachen Fußsoldaten Sergeant. Im alten Piemont schließlich (16. Jahrhundert) gab es Sergeanten, die Subalternoffiziere waren, Sergeant-Majore als Bataillonskommandanten und Schlachtsergeanten, mit dem Sergeant-Major-General im Rang eines Generals.
Während also Brunetto Latini 1294 das Wort Sergeant als „untergebene Person“ definierte, bezeichnete Guicciardini es 1540 schlicht als „militärischen Dienstgrad“.
Wie wir gesehen haben, schwankte die Stellung in der Hierarchie mindestens zweieinhalb Jahrhunderte lang oder länger von der höchsten Spitze – dem Sergeant-Major-General zur Zeit Emanuele Filibertos – bis sie sich, zumindest in Italien, im 18. Jahrhundert als Dienstgrad der Kategorie der Unteroffiziere festigte.
Seit 1814 vom Sergeant-Major begleitet, blieb er ab dem 19. Jahrhundert mit der Führungsebene des Gruppenkommandanten verbunden. Seine Geschichte verflicht sich mit dem Dienstgrad des Fouriers: dem Fourier-Sergeanten, gefolgt 1841 vom Fourier-Major. Der Sergeant-Major kehrte 1903 mit dem Aufkommen des Dienstgrads Maresciallo zurück, der die Fouriere und Fourier-Majore teilweise ablöste.
MARESCIALLO
Der Begriff ist seit 1427 in der italienischen Sprache und in italienischen Dokumenten belegt. Er stammt vom französischen „maréchal“, einem militärischen Rang und Würdenträger des Staates, 1185 von Philipp August von Frankreich geschaffen und auch dem Verantwortlichen der königlichen Stallungen verliehen. Er setzt sich aus zwei altgermanischen (fränkischen) Wörtern zusammen, „marh“ und „skalk“, die Pferd und Knecht bedeuten.
Pferdeknecht also, eine sehr wichtige und zugleich bescheidene Aufgabe: Der Hufschmied (italienisch maniscalco, ein Wort, das gut zu maresciallo passt) trug die große Verantwortung für den Hufbeschlag des Pferdes eines Herrn oder der Pferde einer Schwadron.
Daher die doppelte Bedeutung des Begriffs Marschall: entweder ein Rang oder Titel an der Spitze der Hierarchie oder ein Unteroffiziersgrad der Kavallerie, „entsprechend dem Sergeanten der Fußtruppen“.
Ein „Marschall von Italien“ galt daher als „Stallmeister des Königs“ oder Knappe des militärischen Schicksals der Nation und damit als höchster erreichbarer Rang.
Nur dem „Generalkapitän“ nachgeordnet, einem Rang, der dem König zustand, blieb er in Italien mit Unterbrechungen bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs in Gebrauch.
Ebenso gehörte der Maresciallo schon seit der Ordnung der piemontesischen Kavallerie Emanuele Filibertos im 16. Jahrhundert zur Kategorie der Unteroffiziere oder „niederen Offiziere“, als „Marechal de Logis“, später übersetzt als „Maresciallo d’Alloggio“ (Quartiermarschall).
Ersetzt wurde er durch den „Furiere“, der vom französischen „fourrier“ ins piemontesische Heer kam: der für das Futter Zuständige, aber auch der „Vorläufer“, der als Erster an einem Ort ankam und die Logistik, also die Unterkunft der Einheit, organisierte.
Die Marschälle kehrten 1903 als Kategorie der Unteroffiziere ins italienische Heer zurück, ersetzten die Fouriere und gliederten sich in drei Ebenen – Kompanie, Bataillon und Regiment –, entsprechend Maresciallo Ordinario, Maresciallo Capo und Maresciallo Maggiore, mit ausgeprägt logistisch-administrativer Ausrichtung.
Der später umgestaltete und umbenannte Dienstgrad festigte sich jedenfalls oberhalb der Sergeanten.
1916 erhielt die Kategorie einen neuen, einzigartigen Dienstgrad, den „Aiutante di Battaglia“ (Gefechtsadjutant), der nicht durch Dienstalter, sondern im Kampf erworben wurde, unabhängig vom vorherigen Dienstgrad.
Notwendig war diese „Erfindung“, um die furchtbaren Lücken zu schließen, die sich nach den ersten Monaten des Stellungskriegs in den Reihen der Subalternoffiziere aufgetan hatten, und rasch neue Zugskommandanten mit Kampferfahrung einzusetzen.
Die Abfolge der drei Marschall-Dienstgrade blieb bis in die 1970er-Jahre unverändert, als die Bezeichnung Maresciallo Maggiore „Aiutante“ geschaffen wurde, die 1995 zum neuen höchsten Dienstgrad der Kategorie wurde.
Mit den jüngsten Reformen, bedingt durch die Umstellung auf eine Berufsarmee und die Aufteilung der Unteroffiziere in mehrere Laufbahnen, wurde die Laufbahn der Marschälle in vier Dienstgrade neu geordnet: Maresciallo, Maresciallo Ordinario, Maresciallo Capo und Aiutante.
2001 machte eine neue Regelung aus dem Aiutante den 1° Maresciallo und schuf die Bezeichnung 1° Maresciallo Luogotenente.
Michele Sacchet, aus dem Col Maòr Nr. 4, 2006


