Michael Noble, von der psychologischen Kriegsführung zur Kunst

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Der angloamerikanische Geheimagent, der die zeitgenössische Kunst liebte und als Erster die Türen der Irrenanstalten öffnete.

Bildhauer, Journalist und Geheimagent. Durch einen glücklichen Zufall kamen die Werke von Michael Noble nach Belluno, zur Ausstellung „Arte del Novecento“ in der Crepadona (23. Juli – 2. Oktober 2011), zeitgleich mit der Ausstellung in Sass Muss (Sospirolo), im Industriedenkmal-Komplex, den Dolomiti Contemporanee ins Leben gerufen hatte.

Michael Noble in einem entspannten Moment
Michael Noble in einem entspannten Moment

George Ernest Michael Sinclair Noble wurde am 12. Dezember 1919 in South Moor, County Durham, im Nordosten Englands geboren.

Als Freiwilliger 1939 war er bis Dünkirchen in Frankreich, dann Offizier der 8. Armee in Libyen. 1944 wechselte er in Italien zum Political Intelligence Department des Foreign Office.

Schließlich wurde er mit der Leitung des Psychological Warfare Branch betraut, der Abteilung für psychologische Kriegsführung der angloamerikanischen Militärregierung, die für die Medien zuständig war.

Noble kam am 26. April 1945 mit den alliierten Truppen im Rang eines Majors nach Mailand; in Wirklichkeit war er ein Geheimagent, den die alliierte Militärregierung mit der Neuordnung des Informationswesens in Neapel und Florenz beauftragt hatte.

In Mailand gründete er mit den Journalisten Gaetano Afeltra, Dino Buzzati und Benso Fini den Giornale Lombardo (später Corriere Lombardo). Seine Hauptaufgabe aber war es, den Corriere della Sera wieder an die Kioske zu bringen.

Im April 1945 war Noble in Mailand Vorsitzender der alliierten Publikationskommission für Norditalien. Und am 22. Mai 1945 lief in der Via Solferino der Corriere d’Informazione vom Band (ab Mai 1946, mit der Rückkehr des Corriere della Sera, als Nachmittagsausgabe); wenn Noble kein Foto fand, veröffentlichte er Kohleporträts von Politikern, die er selbst zeichnete.

1956 heiratete er Ida Borletti, Tochter des Senators Borletti (Industrieller, der 1918 die Rinascente in Mailand gründete), mit der er in die Villa Idania am Gardasee zog.

Die Skulptur Third sex (the sexes) von Michael Noble
Die Skulptur „Third sex (the sexes)“ von Michael Noble

Hier entstand ein Zentrum kulturellen Lebens, in dem Igor Markevitch, Nabokov, Pannella, Marina Cicogna, Giulia Maria Crespi (Eigentümerin des Corriere della Sera und spätere Gründerin des FAI, des italienischen Umweltfonds), Igor Strawinsky, Stefan Zweig, Dacia Maraini, Trilussa, Salvatore Quasimodo und Indro Montanelli verkehrten.

Zwischen 1957 und 1963 suchte Noble die Kreativität der psychisch Kranken des Provinz-Psychiatriekrankenhauses von Verona, angeleitet vom Bildhauer Pino Castagna und beraten vom Psychiater Vittorino Andreoli.

Aus dieser Erfahrung trat das Talent von Carlo Zinelli zutage, der später berühmt wurde. Tafeln mit Männern, Frauen, Soldaten, Vögeln, Ungeheuern, Löwen, Katzen, Zügen, Kanonen, Flugzeugen und Panzern, die Dino Buzzati faszinierten; er fragte sich und schrieb über das „geheimnisvolle Licht der Kunst“, das sich in den ebenso geheimnisvollen Schattenfalten kranker Seelen entzünden konnte.

„Einige der Kranken durften das Krankenhaus verlassen und zogen auf den Hügel. Andere – erinnerte sich Ida Borletti in einem alten Interview mit dem Corriere della Sera – ließen wir mit einem Bus abholen. Man arbeitete, fuhr Boot, ging in die Trattoria, zum Tanzen. Kurz, es war eine Gemeinschaft entstanden.“

Michael Noble nahm damit um einige Jahre vorweg, was später Franco Basaglia verwirklichte: Ab 1962 revolutionierte Basaglia die psychiatrischen Krankenhäuser bis zur Befreiung der Kranken durch das Gesetz 180 von 1978.

Noble starb im Alter von 73 Jahren am 7. Februar 1993 in seinem Haus an der Côte d’Azur.

Roberto De Nart, für den Col Maòr Nr. 3/2011

 

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